Cesar Millan kommt nach Deutschland – und Deutschland spielt verrückt

Für alle Nicht-Hundemenschen: Cesar Millan ist ein Hundetrainer. In den USA, zunehmend aber auch hier, ist er durchs Fernsehen bekannt. Und momentan tourt er mit seiner Live-Show „Leader of the Pack“ durch Europa.

Millans Philosophie basiert darauf, dass der Mensch der Rudelführer für seine Hunde sein sollte – und dass Hunde einen ruhigen, souveränen Rudelführer haben möchten. So weit, so vernünftig eigentlich. Millans Kritiker werfen ihm vor, seine Methoden seien veraltet und brutal. Statt einen Hund, wenn er unerwünschtes Verhalten zeigt, zu korrigieren, solle man ihn lieber „umlenken“, ihm also eine Alternative anbieten. Millan-Fans erkennt man auf der Straße daran, dass sie ihre Hunde anzischen oder anstupsen, wenn diese sich danebenbenehmen. Ersteres soll klarstellen, dass man nicht möchte, dass der Hund sich so verhält, zweiteres soll ihn kurz aus dem Konzept bringen, damit er einen wieder wahrnimmt. Die Meinungen gehen nun auseinander, ob Millan wirklich nur stupst oder tritt. Ich persönlich habe etliche Folgen seiner Shows gesehen – und nie einen Hund autschen oder auch nur erschrecken sehen, wenn die Korrektur erfolgte, aber natürlich kann ich nur nach dem Fernsehen urteilen und mag mich irren.

Die Alternative, die ohne Korrektur auskommt, wäre das „Umlenken“. Dabei bietet man dem Hund eine Alternative an – wenn er also zum Beispiel an der Leine nicht ohne Theater an einem anderen Vierbeiner vorbeigehen mag, fordert man ihm dazu auf, etwas zu apportieren. In vielen Situationen ist das eine tolle Sache, aber die Methode setzt voraus, dass der Hund ansprechbar ist – und wenn er sich wirklich aufregt oder wie mein Angsthäschen förmlich erstarrt, kann es schwierig werden. Dann sollte man das Fehlverhalten ignorieren, aber da hat meine Leidensfähigkeit Grenzen.

Die Debatte um Cesar Millans Methoden wird kontinuierlich geführt, aber da er gerade durch Deutschland tourt, kocht sie höher als sonst. In Hannover wurde von ihm verlangt, dass er eine Sachkundeprüfung ablegen sollte – für Hundetrainer seit August Vorschrift -, allerdings offenbar in deutscher Sprache, sodass er durchfiel. (Warum er keinen Dolmetscher mitgenommen hat, habe ich auch nicht verstanden.) Deshalb musste er bei diesem Auftritt einen Tierarzt und einen nach deutscher Vorschrift zertifizierten Hundetrainer beim Auftritt dabeihaben. Die beiden hatten allerdings nichts zu beanstanden.

Millan polarisiert wie kaum ein anderer. Vor der Halle, in der er in Wien auftrat, fand eine Demo von Tierschützern statt, die gegen ihn wettern. Und in der Halle jubelten die Fans. Viele würden, Kommentaren auf Facebook, Instagram und Twitter zufolge, quasi alles für ein Autogramm oder Foto mit ihm tun. Ganz ehrlich? Der Mann ist Hundetrainer, und so sollte man ihn auch behandeln.

Er ist nicht der Teufel. Es gibt meines Wissens keine Beweise dafür, dass er Tiere quält. Im Gegenteil weiß man, dass er sich für Tierheimhunde, Kampfhunde, Straßenhunde und Problemhunde ganz allgemein im großen Stil einsetzt. Menschen, die ihn anprangern, sollten das im Hinterkopf behalten.

Er ist auch nicht der Messias. Natürlich hat er hier oder da sicher einen Fehler gemacht – ein Signal übersehen, vielleicht etwas zu lax oder zu hart reagiert, etwas nicht genau genug erklärt… Wie es Menschen eben passiert. Fans, die glauben, er könnte alle ihre Probleme lösen (und gelegentlich auch Kinder von ihm wollen…), sollten sich das in Erinnerung rufen.

Ich persönlich finde, es liegt in der Verantwortung jedes Hundehalters, den Kopf auf seinen Schultern auch zu benutzen. Ihnen gefällt eine von Millans Methoden? Benutzen Sie sie. Bei etwas anderem haben Sie ein ungutes Bauchgefühl? Lassen Sie es. Sie finden Martin Rütter / Victoria Stilwell / den Trainer in ihrer lokalen Hundeschule überzeugender? Hören Sie auf ihn oder sie. Soweit es mich betrifft, gehe ich in einer Woche zur Show von Millan und bin schon sehr gespannt. Bei Martin Rütter war ich schon zweimal, und zu seiner aktuellen Tour werde ich definitiv auch gehen. Ich sehe da keinen Widerspruch. Mein eigener Hund (rumänischer Straßenadel, Angsthäschen mit großer Klappe) muss sich mit einem Best of aller Erziehungsmethoden rumschlagen, von denen ich je gehört habe. „Sitz“ hat sie nach dem ersten Buch gelernt, was ich als Kind über Hundeerziehung gelesen habe, und dessen Namen und Autor ich leider längst vergessen habe. (War unschlagbar einfach.) Das an der Leine gehen funktioniert nach Cesar Millan. (Sie kapiert’s, ich kann’s mir merken und komme da an, wo ich hin will, statt permanent die Richtung wechseln zu müssen.) Gegen das Bellen am Zaun üben wir nach Martin Rütter. (Eigentlich weiß sie’s ja… Sie weiß aber halt auch ganz genau, wann ich unaufmerksam bin.)

Insgesamt sind wir Work in Progress. Wenn ich in der Show war, wird sich rausstellen, ob mein Vierbeiner sich in Zukunft an mehr oder weniger Millan-Einfluss gewöhnen muss. Und wenn Sie möchten, lesen Sie es hier!

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