Wie ich der Hund der Teilzeitbretonin wurde

Hallo, ihr Zweibeiner da draußen!

Ihr könnt es jetzt nicht sehen, aber ich zittere ein bisschen – ich habe nämlich Angst vor Menschen. Deshalb halte ich mich gern im Hintergrund, und wollte auch hier eigentlich nur in beratender Funktion tätig werden. Aber dann war ich gestern Abend gerade gemütlich auf den Füßen meines Frauchens eingeschlafen, als die sich plötzlich ärgerte. Da musste ich natürlich schauen, was los war. Sie hatte auf Facebook (das ist so eine merkwürdige Seite, auf der ganz viele Menschen – und auch etliche Hunde – angemeldet sind) das Foto einer alten Hündin gepostet, die wie ich aus Rumänien kommt. Weil sie schon alt ist und bisher ganz viel Pech mit den Zweibeinern hatte, sucht sie dringend ein Körbchen im Warmen. Jedenfalls hatte mein Frauchen gehofft, dass das Foto vielleicht jemand sieht, der noch ein Plätzchen frei hat und auch gern mit einer kleinen roten Rumänin zusammenwohnen würde. Stattdessen hat aber jemand darunter geschrieben, sie solle so etwas nicht posten, weil es unvernünftig wäre, „einen solchen Hund“ aufzunehmen – wir könnten zu viel Ärger machen.

Darüber war die Teilzeitbretonin traurig und sauer, und ich bin erschrocken, wie wenige Zweibeiner eigentlich verstehen, was mit so vielen von uns jeden Tag passiert. Deshalb bin ich jetzt mutig und schreibe euch. (Die Teilzeitbretonin hat mir versprochen, dass sie jeden anknurrt, der nicht lieb zu mir ist – also nehmt euch in Acht, sie ist nämlich ganz schön groß!) Ich will euch gern erzählen, wie es kam, dass ich bei meinem Frauchen einziehen durfte. Das war ein ziemliches Abenteuer, geboren wurde ich nämlich in Rumänien. Dort gibt es ganz viele Straßenhunde, und viele Menschen mögen uns nicht besonders. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern, weil ich noch so klein war, aber mein Frauchen hat oft Tränen in den Augen, wenn sie liest, was Zweibeiner dort mit uns machen, und das passiert ihr wirklich nicht oft. Sie flucht dann auch und sagt, es wäre ein Schande für die Menschheit – dabei ist sie doch sonst so ruhig und schimpft auch nur ganz selten, wenn ich etwas anstelle. Jedenfalls haben mich nette Menschen von der ASOCIATIA HELPING ANIMALS ROMANIA HAR  gefunden, als ich ungefähr drei Wochen alt war. Ich war ganz allein unterwegs, ohne meine Mama. Was mit ihr passiert ist, habe ich meinem Frauchen nicht erzählt – deshalb sage ich es euch auch nicht. Aber ich war ganz allein, und ich war so froh, dass sie mich gefunden haben. Mein Frauchen hat die Bilder gefunden, die sie damals von mir gemacht haben, da könnt ihr sehen, wie klein ich war:

Danach hat Frau Eberlein vom Verein Treue Pfötchen angeboten, mich zu sich zu holen und mir eine Familie zu suchen. Also haben sie mich mit ganz vielen anderen Hunden und Katzen in eine rollende Kiste gesetzt, und wir waren lange unterwegs. Mein Frauchen sagt immer, dass das sein musste, damit ich zu ihr kommen konnte – weil mich in Rumänien niemand gewollt hat. Aber ich hatte furchtbare Angst, und deshalb finde ich Auto fahren auch heute noch total doof, obwohl wir meistens wohin fahren, wo es schön ist. Vom Transport hat mein Frauchen auch Bilder gefunden:

Und dann bin ich bei Frau Eberlein angekommen. Sie und ihr Hund Resi waren sehr lieb zu mir. Ich war gerade mal einen Tag da, als das Telefon klingelte und sie mir sagten, dass jemand kommen wollte, um mich kennenzulernen. Die Teilzeitbretonin hatte mich im Internet gefunden, und sehe ich auf den Fotos nicht auch zum Anbeißen aus?

Als die Teilzeitbretonin und ihre Mama kamen, hatte ich fürchterliche Angst vor ihnen. Sie waren so groß! Und sie rochen fremd! Aber nach einer Weile wurde ich dann doch neugierig. Schließlich war ich ein Welpe, und die sind halt von Natur aus leichtsinnig. Also ging ich zu ihnen und schnupperte ein bisschen – und die Teilzeitbretonin verliebte sich in mich. Sie sagt, sie wusste schon damals, dass ich es ihr nicht leicht machen würde, weil ich einfach so furchtbare Angst vor allem habe. Aber ich bin halt auch unwiderstehlich. Eine Frau muss mit ihren Waffen kämpfen, richtig? 😉

Danach blieb ich noch ein paar Tage bei Frau Eberlein. Die Treuen Pfötchen mussten erst sichergehen, dass die Teilzeitbretonin ein gutes Frauchen für mich werden würde. Aber dann kam sie mich holen – und hier ist das erste Foto von uns zwei zusammen:

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Wie es dann weiterging, und wie ich zu meinem Namen kam, erzähle ich euch ein anderes Mal – jetzt rolle ich mich erst mal zusammen und schlafe ein Ründchen. Aber ich denke, ihr seht schon an dem Foto, dass mein neues Frauchen mich gleich sehr lieb hatte und gut auf mich aufpasst.

Bis bald,

euer kleiner Flaschengeist

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