Sergeant Stubby – ein Held aus dem 1. Weltkrieg

Hallo, ihr Zweibeiner da draußen!

Hach, es ist schon ein bisschen aufregend, euch zu schreiben… Aber wenn andere Hunde so mutig sein können, dann kann ich das vielleicht auch (wenigstens manchmal). Die Teilzeitbretonin sagt, ich bin ihr Maskottchen. Das heißt, dass ich ihr ganz doll helfe und sehr wichtig für ihre Arbeit bin. Damit ich verstehe, wie wichtig mein Job ist, liest sie mir manchmal Geschichten von historischen Maskottchen vor – wir Vierbeiner waren nämlich schon immer sehr wichtig für unsere Menschen. Die Geschichte von Sergeant Stubby fand ich so toll, dass ich sie euch erzählen muss.

Das hier ist er:

Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sergeant_Stubby.jpg#mediaviewer/File:Sergeant_Stubby.jpg
Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sergeant_Stubby.jpg#mediaviewer/File:Sergeant_Stubby.jpg

Heute würde man ihn einen Listenhund nennen und hätte wahrscheinlich Angst vor ihm, sagt die Teilzeitbretonin. Das ist ganz schön blöd, findet ihr nicht auch? (Na gut, manchmal sagt sie auch, dass ich ganz schön blöd bin, wenn ich mich vor Menschen erschrecke.) Jedenfalls war Stubby vermutlich ein Mischling aus Boston Terrier und Bullterrier oder Bulldogge und Stafford… Er war ziemlich klein, ging seinem Menschen nicht mal bis ans Knie (wie ich!) und er war am Anfang ein Straßenhund. (Auch wie ich! Ist das nicht aufregend?) 1917 war er wohl auf der Suche nach Futter, vielleicht auch nach Gesellschaft, als er auf dem Sportgelände der Universität von Yale landete. Dort waren ganz viele Männer, die gerade lernten, Soldaten zu sein. In Europa (das ist hier, wo wir leben) war Krieg, und sie sollten dort den Alliierten helfen.

Stubby war clever und bekam nicht nur zu fressen, sondern auch ein Herrchen. Ein junger Mann, der James Robert Conroy hieß, mochte ihn und wollte ihn behalten. Aber auch alle anderen dort mochten ihn. (Schon ein bisschen leichtsinnig, dass er mit so vielen Menschen unterwegs war! Ich hätte mich das ja nicht getraut!) Stubby lernte, mit den Soldaten zu marschieren, und dann brachten sie ihm das Salutieren bei. Er setzte sich auf die Hinterbeine und hob sein rechtes Vorderbein ans Auge. Das fanden die Menschen total lustig und süß, und er bekam ganz viele Leckerli dafür, deshalb salutierte Stubby fast immer, wenn er auf einen Mann in Uniform traf.

Als die Soldaten dann arbeiten gehen mussten und in Richtung Europa aufbrachen, ging Stubby einfach mit. (Ich verstecke mich immer, wenn die Teilzeitbretonin mich mit auf die Arbeit nehmen will… Wir fahren da mit dem Auto hin, und da sind Menschen!) Am Anfang war das einfach, weil sie zu Fuß gingen. Aber dann mussten sie auf ein Schiff, und obwohl Robert Conroy Stubby gern mitnehmen wollte, durfte er das nicht. Zum Glück wollten alle, dass ihr Hund mitkommt, also taten sie sich zusammen und schmuggelten ihn an Bord. Als das Schiff losgefahren war, entdeckte Conroys Chef ihn aber und schimpfte. Stubby wusste, wie man Menschen erzieht und führte sein bestes Kunststück vor: Er salutierte vor dem Offizier. Der fand das so toll, dass Stubby bleiben durfte. Er war jetzt offiziell das Maskottchen der Yankee Division. Und ihr wisst ja, wir Maskottchen sind sehr wichtig – damit wir immer gute Laune haben, muss man sich sehr gut um uns kümmern!

Stubby reiste mit seinen zweibeinigen Freunden bis nach Frankreich, und da mussten sie in den Krieg. Das heißt, dass alle draußen wohnen müssen, es keine bequemen Betten und es kein so gutes Futter gibt… Und außerdem ist es gefährlich, weil die anderen auf einen schießen und versuchen, einen gefangenzunehmen. Stubby blieb trotzdem bei ihnen und war sehr mutig. (Deshalb ist das eine gute Geschichte für den Neujahrstag… Von Stubby hat sie mir erzählt, damit ich mich wegen der Silvesterknaller nicht so anstelle. Die tun mir nichts, behauptet sie.)

Stubby warnte seine Menschen, wenn ein Gasangriff kam (wir haben ja nun mal viel bessere Nasen als die Zweibeiner), damit sie sich und ihm rechtzeitig Gasmasken aufsetzen konnten. Außerdem hielt er mit Wache und weckte die Menschen, wenn sie dabei einschliefen. Er suchte nach Verwundeten (ich sage ja – viel bessere Nasen!) und leistete Menschen, die sterben mussten, Gesellschaft. Als Belohnung nähten ihm die Frauen von Château-Thierry, einer französischen Stadt, die die Yankee Division befreit hatte, eine schicke Uniformjacke. Darauf stand sogar sein Name! Die Soldaten schenkten ihm zur Belohnung, wenn er etwas besonders Tolles gemacht hatte, Orden und Medaillen, und die befestigten sie dann auch an seiner Jacke.

Eines von Stubbys Kunststücken war, dass er die Bösen (die Deutschen) von den Guten (meistens Amerikaner und Franzosen) unterscheiden konnte. Die Deutschen mochte er gar nicht. Einmal traf er allein auf einen deutschen Soldaten, und ratet mal, was er gemacht hat? Er hat ihn gefangen! Ganz allein! Er hat ihm in den Hintern gebissen und ihn festgehalten, bis seine Menschen kamen. Dafür ist Stubby zum Sergeant befördert worden, als allererster Hund. Einmal ist er auch veletzt worden, weil er so mutig (und so leichtsinnig!) war, aber weil so viele Zweibeiner ihn lieb hatten, haben sie ihn ganz schnell gesund gepflegt.

Nachdem die Alliierten den Krieg gewonnen hatten, ist Stubby mit seinem Herrchen zurück nach Amerika gefahren. Dort ist er dann nach dem Krieg erst so richtig berühmt geworden – vorher gab es schon immer wieder Zeitungsartikel über ihn, aber danach wurde er ein Star. Wie und womit, ist auch ein tolle Geschichte! Nur bin ich jetzt sooo müde von gestern (dauernd hat es geknallt!), dass ich mich erstmal ausschlafen muss. Morgen erzähle ich euch dann, wie es mit Stubby weiterging.

Bis bald,

euer kleiner Flaschengeist

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