Der Tag, an dem der Kleine König mich vor der großen Ratte gerettet hat

Hallo ihr Zweibeiner,

nachdem ich mich ein paar Tage ausgeruht habe, ist es heute wieder Zeit, meinen Mut zusammenzunehmen und euch zu schreiben. Der Kleine König hat ein bisschen Anerkennung für seine Heldentat verdient!

Jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich gerade, wer der Kleine König eigentlich ist. Kein Wunder, im Gegensatz zu mir hat er nämlich kein eigenes Blog. 😉 Der Kleine König ist ein roter Pudel. Er wohnt ein paar Häuser weiter bei meiner Lieblingsnachbarin. So heißt sie, weil sie immer lieb zu mir ist und mir gaaanz viele Leckerli gibt. Und das, obwohl ich sie am Anfang auch nicht leiden konnte (wie alle Zweibeiner) und sie angebellt habe. Aber im Gegensatz zu den meisten anderen hatte sie Geduld, und jetzt freue ich mich immer wahnsinnig, wenn ich sie sehe. Den Kleinen König hat sie aus Spanien gerettet – er war ein Straßenhund (wie ich) und saß in einer Tötungsstation. Ich bin nicht ganz sicher, was das ist, aber er sagt immer nur, das muss ich gar nicht wissen, weil ich viel Glück gehabt habe.

Manchmal geht der Kleine König mit uns spazieren, weil er wahnsinnig gerne läuft (verrückter Pudel!). Ich freue mich dann immer. Dann sehe ich nämlich die Lieblingsnachbarin, und außerdem ist der Kleine König sehr mutig und beschützt mich. Er mag sogar Zweibeiner! (Ja, ich habe versucht, ihm zu erklären, wie leichtsinnig das ist. Er hat mich ausgelacht.) Nur das Krümelmonster mag er leider nicht, deshalb können wir nie alle zusammen raus. (Männer!)

Hier seht ihr mal, wie gut wir zusammen aussehen
Hier seht ihr mal, wie gut wir zusammen aussehen

Ein paar Tage vor Weihnachten haben die Teilzeitbretonin und ich den Kleinen König zum Gassi gehen abgeholt. Wir sind am Neubaugebiet vorbeigelaufen, die Teilzeitbretonin hat ein bisschen vor sich hin geträumt, der Kleine König hat fleißig markiert und ich habe geschnuppert, wer so alles da war. Und dann – plötzlich! – saß genau vor mir eine große, dicke, dreckige Ratte!! Sie hat mir gerade in die Augen geschaut und bestimmt überlegt, ob sie mich fressen soll. Ich hatte solche Angst, ich konnte mich gar nicht mehr bewegen. Aber dann ging alles ganz schnell: Auf einmal stand der Kleine König vor mir und wollte sich auf die Ratte stürzen. Und die Teilzeitbretonin hat ihr Bein zwischen die Ratte und uns beide gestellt und uns hinter sich gezogen, da ist die Ratte dann endlich abgezischt. Die Teilzeitbretonin war ihr wohl doch zu groß. Wir waren alle ein bisschen erschrocken, haben zusammen gefeiert, dass alles gut gegangen war, und haben rumgedreht.

Als wir wieder bei der Lieblingsnachbarin waren, hat die Teilzeitbretonin ihr alles erzählt: Sie hat mich wimmern gehört und gesehen, wie ich Auge in Auge mit der Ratte stand. Und dann, sagt sie, ist der Kleine König ohne Schrecksekunde über die Leine und über mich drübergehüpft und wollte sich die Ratte greifen – aber in der Zeit ist die Teilzeitbretonin wieder zu sich gekommen und dazwischen gegangen. Sie war nicht sicher, wie das Duell mit der Ratte für den Kleinen König ausgegangen wäre, hat sie gesagt. Schließlich steckt er im Körper eines Pudels und ist sogar noch ein Stückchen kleiner als ich, auch wenn er so ein mutiger Kerl ist.

Die Lieblingsnachbarin war dann furchtbar stolz auf ihren Kleinen König, und die Teilzeitbretonin wusste endlich, was sie ihm zu Weihnachten schenken sollte: Da hat er eine Plüschratte bekommen. So kann er jedem erzählen, wie mutig er war – und er kann die Ratte beuteln, ohne dass die Lieblingsnachbarin oder sie Angst um ihn haben müssen, sagt die Teilzeitbretonin. Ich hatte es leichter – ich habe ihm einfach ein Küsschen gegeben…

Bis bald,

euer kleiner Flaschengeist

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