Cassandra Clare: Chroniken der Schattenjäger 1 – „Clockwork Angel“

Die junge Amerikanerin Tessa Gray muss im Jahre 1878 den Umzug nach London wagen – ihre Tante ist verstorben, und sie hat weder Geld noch Familie in Amerika. Übrig ist nur noch ihr Bruder Nate, der schon einige Zeit in der Stadt an der Themse lebt und ihr das Ticket für die Überfahrt schickt. In London kommt jedoch alles anders als erwartet. Tessa gerät in die Gefangenschaft der Dunklen Schwestern, die vor allem eins von ihr wollen – ihre Gabe. Denn auch wenn Tessa es selbst nie geahnt hat, ist sie kein Mensch…

© Arena Verlag
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Die Dunklen Schwestern zwingen sie zu einem rigorosen Trainingsprogramm, das die junge Frau oft körperlich wie psychisch überfordert. Doch sie wird mit dem Leben ihres Bruders erpresst, also bleibt ihr kaum eine Wahl – sie lernt, die Fähigkeit zu nutzen die in ihr schlummert. Tessa kann sich in andere Personen verwandeln. Als sie erfährt, dass sie an „den Magister“ verheiratet werden soll, einen Mann, den sie nie gesehen hat, der aber ihre Gefangennahme und Ausbildung angeordnet hat, weil er ihre Fähigkeit für sich nutzen will, wagt sie einen verzweifelten Fluchtversuch. Dabei trifft sie auf einen mysteriösen jungen Mann mit dunklen Haaren und Tätowierungen. Will Herondale ist ein Schattenjäger, der zufällig auf das Haus der Dunklen Schwestern aufmerksam geworden ist.

Nach ihrer Rettung begleitet Tessa ihn in das Institut, die Londoner Niederlassung der Schattenjäger. Sie erfährt dort endlich mehr über die Verborgene Welt und bekommt erste Hinweise darauf, dass sie selbst eine Hexe, das Kind eines Menschen und eines Dämons, sein muss. Im Institut trifft sie auf weitere Schattenjäger: den hellhaarigen und sensiblen Jem, der von einer mysteriösen Krankheit gequält wird, Jessamine, die keine Schattenjägerin sein will, und Henry und Charlotte, ein ungleiches Paar und die Leiter des Instituts.

Es bleibt jedoch wenig Zeit, die Vielzahl neuer Informationen und Eindrücke zu verarbeiten, denn der Magister plant die Vernichtung der Schattenjäger. Dabei helfen soll ihm eine Armee, die weder im Himmel noch in der Hölle erschaffen wurde: Klockwerk-Automaten. Mithilfe von Leichenteilen werden die Maschinen als Menschen getarnt, und auch dämonische Energie könnte im Spiel sein…

Cassandra Clare erschafft eine atmosphärisch dichte Welt. Das London vergangener Zeiten ersteht in einer virtuosen Mischung aus Fakt und Fiktion wieder auf, und gegensätzliche Charaktere prallen aufeinander. Die Blutsbrüder Will und Jem erscheinen oft wie die zwei Seiten derselben Medaille: Der kapriziöse und oft grobe Will ist so dunkel wie sein feinfühliger Freund Jem hell ist. Während Will Tessa ebensosehr fasziniert wie verunsichert, verbindet sie mit Jem fast sofort eine innige Freundschaft. Jeder Einzelne im Institut hat eine Bürde zu tragen, und meist gibt es nur wenige andere oder gar niemanden, der davon weiß. Als Leser lernen wir daher die vielschichtigen Charaktere auch nur nach und nach durch ihr Zusammenspiel mit den anderen Figuren kennen, was den Reiz des Buches nur steigert.

Während Jem Musiker ist, lieben Will und Tessa das geschriebene Wort über alles. Beide zitieren bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit aus Gedichten und Romanen, wobei Cassandra Clare darauf achtet, dass es sich um Werke handelt, die literaturbegeisterten jungen Männern und Frauen des viktorianischen London vermutlich tatsächlich bekannt gewesen sind.

Insgesamt: absolute Leseempfehlung! Wer die Chroniken der Unterwelt mochte, sollte auch von dieser Reihe begeistert sein. Der einzige Wermutstropfen sind die langweiligen Cover…

Die Serie:

2 thoughts on “Cassandra Clare: Chroniken der Schattenjäger 1 – „Clockwork Angel“

  1. Oh ja, die englischen Cover sind viel besser! Ich würde aber erstmal jeden grundsätzlich empfehlen diese Bücher auf englisch zu lesen (ich fand sie sogar besser (auf ihre Weise) als die Chroniken der Unterwelt!)
    Danke für die Rezension! 🙂

  2. Im Original lesen ist immer die bessere Idee – aber wenn man die deutschen Versionen so bequem vor der Nase hat… 😉 Danke für den netten Kommentar!

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