Cover "Black Dagger 11 - Blutlinien"

J. R. Ward: Black Dagger 11 – „Blutlinien“

Der Black-Dagger-Krieger Phury hat in einer heroischen Geste der Selbstaufopferung an Vishous‘ Stelle das Amt des Primals übernommen. Nun soll ausgerechnet der Vampir, der 200 Jahre lang im Zölibat gelebt hat, mit vierzig Auserwählten für Nachwuchs sorgen. Falls er es schafft, nicht zum Opfer seines Drogenkonsums zu werden, heißt das…

Phurys gesamtes Leben stand im Schatten seines Zwillingsbruders: Als Kind war er der Zweitgeborene, der dem Glauben seiner Familie nach das Unglück über sie alle gebracht hatte. Denn bei der Jungfrau der Schrift dreht sich alles um das Gleichgewicht, und zwei gesunde, adlige Söhne auf einmal – das war einfach zu viel. Der Ausgleich wurde durch Zsadists Entführung im Säuglingsalter geschaffen. Zuerst wartete Phury also auf seine Transition, danach suchte er ein Jahrhundert lang nach dem Entführten, und dann hoffte er ein Jahrhundert lang, Zsadist werde sich von seinem Dasein als Blutsklave erholen. In all dieser Zeit hatte zwar Zsadist die schlimmeren Erfahrungen gemacht, doch Phury hatte immer nur für andere gelebt, war ein Statist in seiner eigenen Geschichte gewesen.

Dabei brachte er große Opfer: Um nicht von der Suche abgelenkt zu werden, legte er einen Zölibatseid ab; bei der Rettung seines Bruders schoss er sich seinen Unterschenkel ab, und um nicht die Nerven zu verlieren, konsumierte er große Mengen von Rotem Rauch. Nun hat Zsadist mit Bella seine große Liebe gefunden, und Phury steht wieder am Rand: Auch er liebt Bella. Und so hangelt er sich von Nacht zu Nacht und rutscht immer tiefer in die Drogenabhängigkeit.

Dabei werden große Erwartungen an ihn gestellt: Alle vierzig Auserwählten der Jungfrau der Schrift hoffen, er werde der Vater ihrer Kinder sein, denn genau darin liegt die Aufgabe des Primals. Dass das alles nicht so einfach ist, wurde bereits bei seiner Einsetzungszeremonie deutlich: Er hätte sich symbolisch mit Cormia, seiner Ersten Partnerin, vereinigen sollen. Als er jedoch feststellen musste, dass die zutiefst verängstigte Frau geknebelt und ans Bett gefesselt worden war, befreite er sie und kehrte mit ihr ins Haus der Bruderschaft zurück, damit sie sich von dem Schock erholen könnte. Und dort sind sie nun: Cormia erliegt immer mehr dem Zauber des selbstlosen Kriegers mit den verschiedenfarbigen Haaren, doch Phury hält sie sorgsam auf Abstand. Eine Situation, die so nicht bleiben kann… Vor allem, weil eigentlich alle Hände gebraucht werden: Überfälle auf Anwesen der Vampire haben tragische Verluste zur Folge.

Das Auftauchen des Zerstörers, besser bekannt als Butch, hatte für Omega schwierige Zeiten eingeläutet, also stellte er seinen eigenen Spieler auf: seinen Sohn. Ganz bewusst hatte Omega ihn unter Vampiren aufwachsen lassen, damit er alles über sie lernen und zu einer Waffe gegen „sein“ Volk gemacht werden konnte.

Es war allerhöchste Zeit, dass Phury sein eigenes Buch bekommt. Immer für andere da zu sein, aber nie für sich selbst, kann auf Dauer nichts Gutes bewirken, nicht einmal bei einer Romanfigur. Und so ist es auch hier: Nach außen der perfekte Gentleman, ist Phury selbst dem Zauberer, einer Figur in seinem Kopf, ausgeliefert. Ohne Drogen kommt er nicht mehr durch die Nacht, und seine Fassade beginnt zu bröckeln: Er tötet seine Feinde, die Lesser, nicht mehr effizient, er foltert sie lieber zuerst. Und entgegen seines Versprechens macht er keinerlei Anstalten, sein Amt als Primal anzutreten. Wer hätte gedacht, dass er innerlich so zerrissen ist? Klar, dass die tragische Familiengeschichte auch Auswirkungen auf den augenscheinlich gesunden Zwilling haben musste. Doch wie tief das geht, erfahren wir erst hier. Phurys Geschichte wird fortgesetzt in Band 12, „Vampirträume“.

 

 

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