Cover Martin Rütter: "Hör mal, Mensch! Dein Hund."

Martin Rütter: „Hör mal, Mensch! Dein Hund.“ (Hörbuch)

Was passiert, wenn ein Ridgeback und ein Mops sich auf der Hundewiese begegnen? Und warum haben unsere Hunde uns eigentlich so gut im Griff (und wir sie nicht…)? Das und mehr erklärt uns Hundeprofi Martin Rütter in einer höchst unterhaltsamen Stunde.

Ein Warnhinweis vorab: Ich habe dieses Hörbuch im Auto gehört, und andere Autofahrer müssen mich für verrückt gehalten haben, weil ich mich halb totgelacht habe. Wer Martin Rütter kennt (im Idealfall aus einer seiner Live-Shows), der weiß, dass er auch Talent zum Comedian hat. Diese CD ist schon älter, sie stammt aus dem Jahr 2009. Ich kam durch einen Zufall daran – ein Kollegin fand sie bei sich zuhause und kam netterweise auf die Idee, sie mir mitzubringen. Sie ist aber noch erhältlich, und ich kann nur sagen, es lohnt sich.

Das Hörbuch ist ein gelungener Mix aus Mitschnitten der Live-Show und einem Interview mit Martin Rütter. Man hört jeweils zuerst einen Ausschnitt der Show, dann werden dem Hundeprofi vertiefende Fragen gestellt, die er ausführlich und mit viel Charme und Humor beantwortet. Schon zu Beginn weist er darauf hin, dass er sich rassistisch äußern werde – natürlich sei klar, dass der Hund des Zuhörers ganz anders sei als jeder andere Labrador, aber zur besseren Verständlichkeit werde er dennoch auf rassetypische Verhaltensweisen eingehen. Das provoziert Gelächter, auch bei mir. Klar gibt es den Flaschengeist nur einmal, aber auch das schwarzweiße Krümelmonster ist selbstredend ganz anders als alle anderen Bobtails, und seine Eigenheiten sind absolut charmant und keinesfalls dem rassetypischen Dickschädel geschuldet. Andernfalls könnte man sie ihm ja abtrainieren, und das geht natürlich gar nicht. 😉

Unter den Themen des Hörbuchs sind zahlreiche Klassiker, mit denen die Mehrzahl der Hundehalter konfrontiert sein dürfte. Da wäre zunächst das Begrüßungsritual. Irgendwie weiß man ja, dass man nicht jedes Mal eine Party schmeißen sollte, wenn man mit dem frisch geleerten Mülleimer wieder reinkommt. Aber Hand aufs Herz: Wer hält sich schon wirklich daran? Dabei zeigen Hundemenschen ihren Vierbeinern gegenüber viel mehr Toleranz, als ein anderer Zweibeiner je erwarten dürfte. Zum Begrüßungsritual des Flaschengeists gehört es, auf einen Stuhl zu hüpfen und dann vor lauter Begeisterung ein paar Tröpfchen zu verlieren. Freue ich mich, dass mein Hund auf den Stuhl pinkelt? Na ja, also… nein. Aber kann ich dem zappelnden, gurrenden Bündel Glück böse sein, dass es so aus dem Häuschen ist, mich zu sehen? Nein.

Dann wäre da das Klingeln an der Tür. Eigentlich sollte das keine große Sache sein, aber… Der Hund ist doch neugierig! Oder der Spaziergang. Wie viele Hunde sieht man schon, die tatsächlich weder an der Leine ziehen noch kläffen, wenn sie Artgenossen erspähen? Eben. Was ich bei Martin Rütter immer super finde, ist sein Plädoyer für die Leine. Wenn man als Hundehalter einen anderen Hund sieht, sollte man den eigenen an die Leine nehmen und erst mal mit dem anderen Hundehalter kommunizieren, und erst dann vielleicht die Leine abmachen und die Hunde „das untereinander regeln lassen“. Der Flaschengeist ist ja nun mal ein Angsthund. Annäherungen von Fremden, egal wie viele Beine sie haben, setzen sie unter Stress. Zu ihrem Training gehört es daher, dass ich solche Kontakte managen soll. Ich soll sie nur dann zulassen, wenn sie nicht überfordert ist, und nur in dem Maße, wie sie sie verarbeiten kann. Aber wie soll ich das machen, wenn so viele Hundehalter ihre Hunde einfach auf uns zugaloppieren lassen und von weitem rufen: „Der tut nix!“?! Spätestens, wenn es mehrere andere Hunde sind, schaffe ich es nicht mehr, den Flaschengeist abzuschirmen, ohne sie auf den Arm zu nehmen und ihr damit zu signalisieren, dass Hunde total gefährlich sind. Und dann wäre da noch die Tatsache, dass bei weitem nicht jeder Hund gelernt hat, mit Artgenossen umzugehen. Auch ein wichtiges Thema des Hörbuchs, und eins, dass uns beinahe täglich beschäftigt: Soll man als Mensch wirklich nicht eingreifen, wenn der 2o Kilo starke Halbstarke aus zwei Meter Entfernung abspringt, obwohl der 6,5 Kilo leichte Flaschengeist sich schon hinter mir versteckt? Wie soll sie das denn bitte selbst regeln, ohne unfreundlich zu werden? Sie hat dann quasi keine andere Wahl mehr, als den Halbstarken anzuknurren oder, wenn ihn das auch nicht beeindruckt, nach ihm zu schnappen. Woraufhin die Halter in aller Regel entsetzt reagieren, weil mein Köter ihr Baby nicht mag und „aggressiv“ reagiert. (Um à la Rütter die Parellele zum menschlichen Verhalten zu ziehen: Ich würde mich auch bedanken, wenn ein zweibeiniger männlicher Teenager auf mich zurennen und aus zwei Meter Entfernung abspringen würde…)

Das war nur eine kleine Auswahl an Themen, die auf der CD behandelt werden. Es kommen noch viele weitere an die Reihe, und ich kann gar nicht genug betonen, dass man selbst gehört haben muss, wie Martin Rütter die Begegnung zwischen Ridgeback und Mops schildert. Das gebe ich nicht hier wieder, es wäre zu schade!

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