Cover "Gestaltwandler 8 - Fesseln der Erinnerung", Mediale

Nalini Singh: Gestaltwandler 8 – „Fesseln der Erinnerung“

Mediale werden so eingesetzt, dass ihre Fähigkeiten bestmöglich genutzt werden können. Für Sophia Russo bedeutet das eine kurze Lebenserwartung und einen täglichen Umgang mit Psychopathen und Serienmördern.

J-Mediale sind selten. Es handelt sich um eine Unterart der Telepathie, die es ihren Besitzern ermöglicht, nicht nur Erinnerungen aus den Köpfen anderer zu ziehen, sondern diese auch anderen zu schicken. In der Justiz sind sie oft die letzte Rettung bei der Aufklärung von Verbrechern, wenn die Täter das Geständnis verweigern. Da J-Mediale nicht lange arbeiten können – der ständige Kontakt zu gestörten Individuen zerbricht ihre Konditionierung, was ihre frühzeitige totale Rehabilitation erforderlich macht -, werden sie nur bei den großen Fällen eingesetzt. Entweder dort, wo Mediale in beträchtlichem Umfang finanziell involviert sind, oder dann, wenn Serienmörder eine Spur aus Leichen hinterlassen.

Sophia Russo hätte sich niemals aus freien Stücken für diesen Job entschieden, doch man hat ihr keine Wahl gelassen. Nun steht ihre letzte Rekonditionierung an, danach bleibt nur noch die Rehabilitation, die aus ihr eine lebende Tote machen wird. Doch vorher soll sie noch aus dem psychopathischen Serienmörder Gerard Bonner herauskriegen, wo er die Leichen seiner Opfer deponiert hat. Das gestaltet sich äußerst aufreibend, denn Bonner entwickelt ein perverses Interesse an Sophia und spielt mit ihr wie mit seinen Opfern.

Der leitende Polizeibeamte in dem Fall ist Max Shannon, ein alter Bekannter – er ermittelte auch, als die Kinder von Shine verschwanden. Anders als andere menschliche Polizisten ist er immun gegen mediale Beeinflussung, da er über einen außergewöhnlich starken natürlichen Schild verfügt. Das limitiert seine Aufstiegschancen, prädestiniert ihn aber für bestimmte Fälle. So zum Beispiel, als die engsten Berater der Ratsfrau Nikita Duncan der Reihe nach in tödliche Unfälle verwickelt werden oder Selbstmord begehen. Nikita fordert Max als Ermittler an und stellt ihm eine Mediale zur Seite, die die passenden Fähigkeiten hat und entbehrlich erscheint – Sophia Russo. Gemeinsam sollen sie herausfinden, ob es einen Maulwurf unter Nikitas Beratern gibt.

Beiden kommt dieser Auftrag sehr entgegen, zumal Nikita ihnen zusichert, dass sie ihre Ermittlungen unterbrechen können, sollte Bonner erneut mit Sophia sprechen wollen. Sophia weiß, dass ihr nur noch wenig Zeit bleibt, bevor ihre Schilde zusammenbrechen und ihr Gehirn unter einer Woge von Lärm für immer begraben wird. Sie hat nichts zu verlieren und will die Zeit, die ihr in der Gesellschaft eines Mannes bleibt, der sie tatsächlich zu sehen scheint, nutzen. Und Max ist seit jeher fasziniert von der Frau mit den violetten Augen und den Narben, die auf Gewalt in ihrer Vergangenheit schließen lassen – ein Trauma, das der menschliche Polizist nur zu gut versteht.

Wir lernen hier eine neue Kategorie kennen – J-Mediale wurden bisher nur am Rande erwähnt -, und auch diese leidet unter Silentium. Denn für Mediale mit J-Fähigkeiten gibt es keine andere Arbeit, sie haben keine andere Wahl, als sich vom Rat verheizen zu lassen. Und wenn, wie es bei dieser Tätigkeit unweigerlich der Fall ist, ihre Konditionierung versagt, werden sie geopfert, damit keine Unruhe im Medialnet entsteht. Doch bevor sie im Vergessen verschwinden, fungieren viele J-Mediale als „letzte Bastion“, wie Sophia zu Max sagt – sie bestrafen die Täter, bei denen die Justiz versagt, und entwickeln dabei einen Gerechtigkeitssinn, der dem der Gestaltwandler sehr nahe kommt.

Ich habe mich gefreut, Max wiederzusehen – der sture Polizist, an dem die Medialen sich die Zähne ausbeißen, war schon im Band um Tally und Clay eine sehr interessante Figur. Er ist genau der Richtige, um Sophias Mauern einzureißen. Doch soll man ihm das wünschen, wenn sie offensichtlich todgeweiht ist? Und werden sie es gemeinsam schaffen, Bonner ein zweites Mal zu besiegen und herauszufinden, warum Nikitas Berater zur Zielscheibe wurden?

Wer sich jetzt Sorgen macht, weil es der zweite Band in Folge ist, in dem kein Gestaltwandler im Mittelpunkt steht – keine Sorge. Max hatte bei seinem letzten Fall einen freundschaftlichen Kontakt zu den DarkRiver-Leoparden aufgebaut und nutzt ihn nun weidlich, um in Bezug auf seine Fälle und Sophias Situation Licht ins Dunkel zu bringen.

 

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